Demenz

Bericht aus der Regionalgruppensitzung vom 21.11.2017

 

 

Kennst du Demenzia, die Insel, auf der eigene Regeln, Sichtweisen und Wahrnehmungen gelten?

Demenzia ist eine Insel, die nur von Demenzbetroffenen besucht wird. Zuerst besuchen sie die Insel nur ab und an, dann immer öfter bis sie ganz auf der Insel bleiben, um dort nach ihren eigenen Regeln zu leben. Einen Weg zurück gibt es ( noch) nicht.

Wo ist bloß wieder der Autoschlüssel? Wo habe ich die Brille hingelegt? Was wollte ich eigentlich aus dem Keller holen? Selbst diese täglichen kleinen Begebenheiten können schon Angst auslösen. Und heimlich stellen wir uns die Frage:“ Werde ich dement? Sind das die Anfänge? Trost: Nicht jeder, der sich diese Frage stellt, wird dement. Allerdings steigt die Anzahl der an Demenz erkrankten durch die steigende Lebenserwartung. Umso wichtiger ist es, sich über die Erkrankung zu informieren und gewappnet zu sein für Begegnungen oder im Umgang mit betroffenen Familienmitgliedern.

Ein anschauliches Bild der Welt eines an Demenz erkrankten Menschen vermittelte uns Hilde Hartmann-Preis, die sich intensiv mit dieser unheilbaren Krankheit auseinander gesetzt und in ihrer Arbeit mit Angehörigen und Betroffenen vielfältige Erfahrungen und Eindrücke gesammelt hat.

Ein weiteres anschauliches Bild verdeutlicht eindrucksvoll die Vorstellung einer Wüstenlandschaft, in der du ganz allein herumirrst. Kein Baum oder Strauch gibt dir Orientierung wo du bist, wohin du gehen musst oder wo du Hilfe erfährst.

Für Menschen, die beruflich oder privat täglich mit Betroffenen umgehen, sie betreuen und versorgen ist es nicht leicht, sich in die Gedankenwelt und oft unverständlichen Verhaltensweisen einzufühlen und sie zu verstehen. Der Verlust des Erinnerungsvermögens bedeutet den Verlust der Identität, der Persönlichkeit und der nachvollziehbaren Handlungsweisen.

Das Gedicht, das uns Hilde Hartmann-Preis mitgebracht hat erlaubt uns einen vorsichtigen Einblick in die Welt und in die Bedürfnisse des uns so fremd gewordenen Menschen.

Wenn ich einmal dement werde

soll mein Leben einfach und überschaubar sein. Es soll so sein, dass ich jeden Tag das gleiche mache –jeden Tag zur gleichen Zeit.

Wenn ich einmal dement werde

musst du ruhig zu mir sprechen, damit ich keine Angst habe und nicht das Gefühl entsteht, dass du böse bist mit mir.

Sollst du immer erklären, was du tust.

Wenn ich einmal dement werde

kann ich vielleicht nicht mehr mit Messer und Gabel essen, bestimmt aber sehr gut mit den Fingern.

und Panik bekomme- dann bestimmt , weil ich zwei Dinge auf einmal denken soll.

Bin ich meist sehr leicht zu beruhigen, nicht mit Worten - indem du ganz ruhig neben mir sitzt und meine Hand hältst.

Wenn ich einmal dement werde

habe ich das Gefühl, dass andere mich schwer verstehen

genauso schwer ich es für mich andere zu verstehen.

mach deine Stimme ganz leise und sieh mich an-

dann verstehe ich dich am besten

Wenn ich einmal dement werde

mach nur wenige und einfache Sätze

sieh mich an und berühre mich, bevor du mit mir sprichst

vergiss nicht, dass ich oft alles vergesse.

Wenn ich einmal dement werde

möchte ich Musik von damals hören- doch ich habe vergessen, welche-

erinnere du dich und lass sie uns zusammen hören.

ich mag gern singen, aber nicht allein.

denke daran, dass ich nicht alles verstehe

doch mehr als du denkst.

Hilde Hartmann- Preis hat uns mit ihrem Engagement, ihrer lebensbejahenden Art einen lebendigen Einblick in die Gefühlswelt und Denkweise eines an Demenz erkrankten Menschen vermittelt.

 
Bericht Regionalgruppensitzung vom 21.11.2017

Helene Schiemann